XenServer und der Schuss ins Knie

Im KMU-Umfeld dominieren meist Microsoft’s Hyper-V und VMware vSphere den Markt der Virtualisierungsplattformen. Ersterer ist gewissermaßen in Windows Server enthalten, und mit vSphere Essentials hat VMware ein Virtualisierungspaket mit Lizenzen für 3 Hosts plus vCenter auf den Markt gebracht, was auch größere Umgebungen und Einsatzszenarien abdecken kann. Die meisten kleineren Unternehmen werden aber schon aufgrund von Lizenzkosten für die Gast-Betriebssysteme – meist Windows – sowie Hardware-Investitionskosten auf einen einzelnen Virtualisierungshost setzen, sofern nicht zwingende Hochverfügbarkeitsanforderungen dagegen sprechen. Schaut man bei den Virtualisierungsplattformen etwas über den Tellerrand, finden sich zwei weitere populäre Technologien: XenServer und KVM. Beides sind Open-Source-Projekte, von denen es kommerzielle Varianten gibt. Der XenServer wird dabei von Citrix weiterentwickelt und ist insbesondere, aber nicht nur, in Verbindung mit anderen Citrix-Produkten im Einsatz. Neben der kostenpflichtigen Standard- und Enterprise-Version gibt es auch eine kostenlose Version, die bisher fast ohne Einschränkungen und damit auch in großen Umgebungen nutzbar war.

XenServer ist dabei einfach administrierbar, bietet breite Hardware-Unterstützung und einen großen Funktionsumfang. Die kostenfreie Version dient so aktuell auch als Basis der LinuxMuster.net-Plattform, einer Linux-Umgebung für Schulen. Auch Amazon setzte in seiner Cloud-Umgebung AWS lange Zeit ausschließlich auf Xen als Hypervisor.

Mit Version 7.3, erschienen im Dezember 2017, hat Citrix dann weitreichende Änderungen in Bezug auf den Funktionsumfang der freien Version von XenServer angekündigt. Viele auch wichtige Funktionen wie High Availability, Storage Motion, Dynamic Memory Control und AD-Benutzerverwaltung wurden aus der freien Version entfernt und die Anzahl der Virtualisierungshosts in einem Pool auf maximal 3 begrenzt. Wer die Funktionen benötigt oder mehr als 3 Hosts in einem Verbund einsetzen möchte, muss eine Standard- oder Enterprise-Lizenz und Software Maintenance von Citrix erwerben.

Nach der Ankündigung dieser Änderungen hat sich viel Frust der Anwender im Diskussionsbereich des Artikels gesammelt. Als Reaktion darauf wollen viele Anwender und Unternehmen ihre bisherigen freien XenServer-Installationen auf das KVM-basierte und maßgeblich durch Red Hat entwickelte oVirt migrieren. Amazon hat bereits im November 2017 indirekt bekannt gegeben, neben dem bisherigen XenServer eine zweite KVM-basierte Hypervisor-Infrastruktur aufzubauen. Als direkte Konsequenz aus der Lizenzänderung wurde zudem das Projekt XCP-NG gegründet, welches weiterhin eine freie und 100%-kompatible XenServer-Version auf Basis des Original-Quellcodes bereitstellen will, was Dank Open-Source möglich ist.

Ob Citrix mit dem nachträglichen Einschränken des Funktionsumfanges des kostenlosen XenServer nun mehr Lizenzeinnahmen generiert, erscheint fraglich. Unternehmen, welche professionellen Support für XenServer benötigen haben diesen ohnehin bereits in der Vergangenheit lizenziert. Alle anderen die nicht bezahlen können oder wollen, darunter neben Unternehmen natürlich auch Schulen und Non-Profit-Organisationen werden vermutlich eher auf die Abspaltung XCP-NG oder eine KVM-Lösung wie oVirt oder Proxmox ausweichen. Citrix verliert dadurch in jedem Fall Marktanteil und Anwender, die zur Weiterentwicklung und Fehlerbehebung beitragen und die Virtualisierungsplattform XenServer sowie das Ökosystem darum am Leben erhalten. Vor dem Hintergrund der ohnehin immensen Konkurrenz durch Microsoft und VMware im Bereich kleiner und mittelständischer Unternehmen bringt dies den XenServer weiter ins Abseits.

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